Erfahrungsbericht Heimserver (NAS)

Nach reiflicher Überlegung habe ich mir letzte Woche einen Heimserver von HP bestellt. In diesem Artikel möchte ich die nicht ganz triviale Auswahl des Server-Betriebssystems beschreiben. Zur Wahl standen FreeNAS, NAS4Free, OpenMediaVault und Amahi. Außerdem möchte ich einige Probleme beschreiben, die es bei der Einrichtung zu umschiffen gilt.

Die Hardware

Die Entscheidung viel auf den HP ProLiant MicroServer Gen8
mit Celeron DualCore 2.3 Ghz Prozessor und 2 GB RAM. Die Entscheidung fiel mir leicht, denn mit 220 € war der Server ein Schnäppchen, sogar billiger als viele fertige NAS-Boxen und dafür mit vier Festplattenslots, deutlich mehr RAM und einem flotten Prozessor. Die meisten NAS-Boxen in dem Preissegment haben nur 512 MB RAM und einen Atom Prozessor. Bestückt wird mein MicroServer erst einmal mit zwei WD Caviar Green 1 TB.

Update: Inzwischen habe ich den MicroServer aufgerüstet mit einem Xeon Prozessor, 4 GB RAM und RAID-5. Dadurch hat der Server erheblich mehr Power, unter anderem für Owncloud und Piwik.

 

Der einzige Kritikpunkt an diesem Server ist die Festplatten-montage. Nur damit die Festplatten vorne einen Griff bekommen, muss man jede Platte in ein wackeliges Blechgestell schrauben (Torx, liegt bei). Mit diesem Rahmen passen die Platten dann nicht mehr in den Wechselschacht am PC, was gerade das Erstbackup verlangsamt. Hot-Swap wäre bei diesem Rahmen sowieso nutzlos, denn pro Platte braucht man mindestens 15min für die Schrauben. Der Server unterstützt aber eh kein Hot-Swap.

Betriebssystem: BSD-basiert

FreeNAS deklassifizierte sich leider sofort, da es aufgrund des ZFS-Dateisystems mindestens 8 GB RAM braucht. Dieses OS ist also eher auf den professionellen Bereich ausgerichtet. In einem Heimserver ist so viel Speicher reine Verschwendung, da maximal eine Handvoll Leute gleichzeitig darauf zugreifen.

Das wie FreeNAS auf BSD basierende NAS4free machte einen sehr guten Eindruck, es lässt sich in der embedded Variante auch auf einen USB Stick (oder eine µSD) installieren, ohne diesen dann durch intensive Schreibzugriffe (Logfiles, Swap, Temporäre Dateien) innerhalb kurzer Zeit zu schrotten. Das Betriebssystem wird beim Start in den RAM entpackt. Updates und auch Erweiterungen sind dadurch relativ umständlich, man muss die Firmware auf dem USB Stick austauschen. Eigentlich ist das eine prima Idee, denn USB-Sticks sind sehr energiesparend und bieten auch mit USB 2 eine recht hohe Zugriffsgeschwindigkeit. Die Zeit für das Entpacken in die RAMdisk ist vernachlässigbar, denn einen Server bootet man in der Regel nicht ständig. Der Speicherbedarf ist dadurch ein  wenig höher als bei anderen Systemen.

NAS4free unterstützt auch das ZFS Dateisystem, lässt sich aber auch mit UFS betreiben. Moderne Linux-Dateisysteme wie EXT3 und 4 werden übrigens nicht unterstützt, auch wird vor dem Einbinden von NTFS gewarnt. Ob da was dran ist kann ich schwer beurteilen.

Leider ist BSD so garnicht mein Fall. Mir gelang es nicht mal mit einer Anleitung eine frisch formatierte Platte zu mounten. Das liegt neben meiner Stupidizität auch an der nicht vorhandenen Benutzerführung. Man muss wirklich alles selber machen, auch die Auswahl des Dateisystems und Bootsektor-Typs beim Mounten. Fehlermeldungen erhält man oft nur wenn man per SSH arbeitet. Dann muss man aber die BSD-Syntax beherrschen.

Betriebssystem: Linux-basiert

Als nächstes probierte ich dann OpenMediaVault. Dieses System basiert auf Debian, Weshalb ich mich als Ubuntu-Anwender sofort zu Hause fühlte. Viele Sachen gehen per SSH auf dem Terminal doch viel flotter. Updates spielt man einfach per

$ apt-get update
$ apt-get upgrade

ein – sehr angenehm! Es lassen sich auch viele Pakete installieren, die man von Ubuntu kennt, z.B. lm-sensors (Temperatursensoren auslesen) und discus (Festplattenbelegung). Zahlreiche Erweiterungen lassen das Nerd-Herz höher schlagen. Weitere Plugins gibt es durch die Installation von OMV Extras.

Mein Kritikpunkt bei OpenMediaVault ist, dass man keine benutzerdefinierte Partitionierung machen kann. Das System belegt immer die gesamte Platte. Wenn man eine Partitionierung machen möchte, kann man zuerst Debian installieren und anschließend die OMV-Pakete. Debian bietet dann eine normale Partionierung an. Ich habe es jetzt übergangsweise auf einem USB-Stick installiert, später wird dann eine stromsparende 2,5″ Festplatte im 3,5″-Rahmen eingebaut, weil ich auf lange Sicht Angst um meinen Stick habe.

Update März 2015
Der USB Stick hat nach vier Wochen Dauerbetrieb das Zeitliche gesegnet. Die Installation eines normalen Betriebsystemsauf einem USB Stick für den Dauerb etrieb in einem Server ist daher nicht empfehlenswertEs gibt inzwischen ein experimentelles Plugin bei OMV-Extras, welches die Migration auf einen Flash-Speicher erlaubt und dann weniger Schreibzugriffe erzeugt. Das ist aber nicht so praktikabel wie eine Out-of-the-Box Lösung.

Probiert habe ich auch noch Amahi, das als Einsteiger-tauglich angepriesen wird. Es basiert auf Fedora. Leider passt es mir überhaupt nicht, dass man einen (kostenlosen) Installationsschlüssel braucht. Dieser wird dann angeblich für einen DynDNS Dienst und Fernkonfiguration benutzt. Dadurch ist man aber auch perfekt für NSA und Co. verfolgbar. Abwählen kann man diesen Schritt am Ende der Installation nicht.

Fazit

Das getestete BSD basierte System ist für mich zu fummelig. Ich habe zwar als Informatiker das Know-How, mich in BSD einzuarbeiten, aber ich möchte nicht noch mehr meiner knappen Freizeit vor dem PC hocken. Zumal die Linux basierten Systeme für mich deutlich einfacher zu handhaben sind. Zwar gelingt auch in OpenMediaVault nicht alles auf Anhieb, man muss oft herumprobieren, aber im Großen und Ganzen ist OMV ein sehr gutes OS für Leute, die sich bereits etwas mit Linux auskennen.

 

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