ThinkPad X1 Extreme G2

Linux auf dem Thinkpad X1 Extreme G2

Nachdem mein MacBook Pro nächstes Jahr 10 wird, wurde es mal wieder Zeit für ein neues Notebook.Dabei wollte ich nicht sparen, denn es soll genauso lange (mit-)halten wie der Vorläufer. Angedacht war eine Workstation mit richtig viel Leitung. In diesem Blog soll es darum gehen, welche Linux-Distribution am besten auf dem Gerät läuft.

Zusätzlich zum Thinkpad X1 Extreme habe ich noch das Thunderbolt 3 Workstation Dock erstanden.

Der Laptop ist zertifiziert für Ubuntu. Das heißt aber nur, dass (fast) alle Hardware erkannt wird. Es sagt wenig darüber aus, wie reibungslos alles zusammenarbeitet. Bis auf den Fingerabdruckscanner funktioniert alles.

Problematisch beim ThinkPad X1 Extreme ist unter Linux vor allem die Grafik. Es gibt einen dedizierten GeForce GTX 1650 Grafikchip von nVidia und die Prozessorgrafik von Intel. Die Ausgänge (HDMI direkt am Notebook sowie Display-Port via USB-C hängen jedoch am nVidia Chip.

Das Hauptproblem im Alltag ist nun, dass Linux nur mit Neustart (der GUI) die Chips wechseln kann. Externe Monitore werden im Intel- oder hybrid-Modus nicht (vollständig) erkannt. An manchen Stellen steht zwar etwas von einem LG-Monitor, aber man kann diesen nicht auswählen. Das Problem hat nichts mit dem Dock zu tun, sondern tritt auch direkt mit der HDMI-Buchse am Laptop auf.

Installation

Die freien Noveau-Treiber unterstützen die verbaute Grafikkarte nicht, es kommt zu Freezes. Deswegen sollte man im „safe-graphics“ Modus installieren und bei der Installation auf jeden Fall die Installation von Drittanbietersoftware erlauben . Nur dann werden die proprietären nVidia-Treiber auch installiert.

Weiterhin sollte man es dringend unterlassen, andere Versionen des nVidia-Treibers zu installieren, egal ob manuell oder mit PPA. Diese Treiber bringen die Paketverwaltung durcheinander. Das kann man zwar reparieren, aber irgendwann bootet ihr und der externe Monitor geht nicht mehr. Daran erkennt man, dass der nVidia-Treiber nicht mehr funktioniert. Ich habe mir damit mehrfach das System zerschossen! Verschiedene Treiberversionen des nVidia -Treibers sind inkompatibel.

Pop! OS 19.10

Zuerst probierte ich Pop! OS vom US-Hersteller System 76. Dieses System basiert auf Ubuntu, ist aber auf Laptops mit Hybrid GPU zugeschnitten und bringt aktuellere Kernel und Grafiktreiber mit als das Standard-Ubuntu. Das umschaslten zwischen Grafikchips ist direkt über die GUI möglich, erfordert aber weiterhin einen Neustart.

Es ist auch allgemein besser auf den Betrieb auf Laptops eingerichtet. So kommt beispielsweise bereits das Setup und die LUKS-Entsperrmaske auf dem externen Display – anders als bei Ubuntu. Das lässt sich zwar sicher irgendwie hinfrickeln, aber ich lasse davon lieber die Finger.

Leider lief das System nur bis zum ersten Update. Ich vermute, dass Pop! OS dabei einen neueren nVidia -Treiber installiert, der verhindert, dass das System bootet. Bei mir blieb das System danach mit

[ OK ] Started GNOME display Manager

hängen. Ich konnte diesen Fehler nicht lösen.

Bei Pop! OS scheint generell das Problem zu sein, dass brandneue Treiber und Kernels verwendet werden, die – wenn überhaupt – nur auf den Geräten von System 765 getestet werden. Für meinen ThinkPad scheidet es leider aus.

Ubuntu 19.10

Nach der Erfahrung mit Pop! OS wollte ich dann doch wieder etwas stabileres. Das Standard-Ubuntu läuft auf dem Laptop recht gut. Das Umschalten zwischen den Grafikchips passiert über die nVidia-Systemeinstellungen oder über

prime-select

Ich habe verschiedene Konfigurationen wie bumblebee probiert, mir scheint aber, dass diese Lösungen eigentlich veraltet sind und man besser einfach wartet, bis diese Umschaltungs-Funktion in den Kernel eingeflossen ist oder der Nouveau-Treiber einfach besser ist.

Inzwischen habe ich mich damit arrangiert, dass man den externen Monitor im Intel- oder Hybrid-Modus nicht einfach anstöpseln kann.

In Ubuntu funktionieren (genau wie auch in Pop! OS) sämliche Hotkey-Tasten mit einem schönen Overlay. Bravo!

Der Stromverbrauch lässt sich mit Intel-Grafik und dem Tool Powertop auf unter 10W im Leerlauf drücken, was dann über 6h entspricht.

Leider finde ich die GNOME-Oberfläche sehr eingeschränkt. Allerdings wollte ich bei einem Debian/Ubuntu-Derivat bleiben, da ich andere Paketverwaltungen als APT ablehne. Her wird ständig das Rad neu erfunden, statt mal gemeinsam an wirklichen Neuerungen zu arbeiten. Deswegen hab eich z.B. Manjaro nicht ausprobiert.

Kubuntu 19.10

Letztlich landete ich dann bei Kubuntu, weil die KDE-Oberfläche einfach viel flexibler ist.

Ein kleiner Wermutstropfen sind die Hotkeys, welche in Kubuntu zwar alle funktionieren, aber nicht alle haben ein grafisches Overlay. Dies habe ich als Bug bei den KDE-Entwicklern gemeldet.

Wenn der Laptopö gedockt und zugeklappt ist, dann führt ein Klick auf „Herunterfahren“ dazu, dass der Laptop in den Energiesparmodus geht, statt herunterzufahren.

elementars OS

Diese auf Ubuntu basierende Distribution versucht, das Aussehen von Mac OS nachzuahmen. Die Oberfläche sieht auch wirklich gediegen aus. Leider fehlen essentielle Funktionen, z.B. kann man das Dock nicht mit Bordmitteln verschieben und beim Herunterfahren gibt es Fehler beim Abmelden des Benutzers, sogar im Live-System. So ein unfertiges OS tue ich mir nicht an.

Fazit

Wenn man solche Probleme vermeiden will, kauft man sich besser einen Laptop ohne dedizierte Grafik oder zumindest einen mit AMD-Chip. Denn die werden von Ubuntu wesentlich besser unterstützt.

Ich hoffe aber dennoch, dass über neue Kernel-Versionen bald alles besser funktioniert und werde nachberichten. Ich habe das Tool UKUU im Einsatz, mit dem man sehr elegant die Kernel-Versionen wechseln kann. Sofern man VirtualBox einsetzt, muss man aber darauf achten, dass VirtualBox den Kernel unterstützt.